KI Website Digitale Transformation Claude Code

Website-Relaunch mit KI

Autor: Chethiya Willener 5 Min. Lesezeit

Wir hatten eine Website. Technisch funktional, inhaltlich korrekt – aber sie fühlte sich nicht professionell an.

Aufgebaut mit WordPress und Elementor, eigenständig entwickelt, über die Zeit gewachsen. Doch ein Gefühl blieb: Der Auftritt passte nicht zu unserem Anspruch.

Als Beratungsunternehmen für Operational Excellence begleiten wir Organisationen bei Struktur, Klarheit und Professionalisierung. Unsere eigene Website transportierte genau das nur bedingt – das Layout nicht durchgängig konsistent, die visuelle Sprache nicht klar genug, der Gesamteindruck solide, aber nicht differenzierend.

Das wurde zum Auslöser für alles, was folgte.


Warum ein Relaunch nötig war

WordPress ist ein bewährtes System. Elementor verspricht gestalterische Freiheit. In der Praxis bedeutete beides aber auch: Einarbeitung in Themes und Plugin-Abhängigkeiten, Auseinandersetzung mit Hosting und Performance, ständige Update-Zyklen.

Und dann der Designaspekt. Ohne formale Ausbildung im Webdesign wurde schnell deutlich: Eine funktionierende Website ist nicht automatisch eine gut gestaltete Website. Inkonsistente Layouts, Unsicherheit bei Typografie und Abständen, Farbentscheidungen nach Bauchgefühl – vieles entstand durch Trial-and-Error statt durch ein klares Designsystem.

Rückblickend war die erste Website weniger ein Webprojekt als ein Lernprojekt. Ein erheblicher Teil der Zeit floss nicht in Inhalte, sondern in technische Detailfragen und gestalterische Korrekturen.

Die Frage lag nahe: Wenn KI heute Strukturen, Inhalte und Designvorschläge generieren kann – warum nicht eine Website konsequent neu denken?


Nicht optimieren – neu machen

Wir hätten die bestehende Seite überarbeiten können. Neues Theme, bessere Farben, straffere Texte. Doch das hätte die grundlegenden Einschränkungen nicht gelöst – weder die technische Abhängigkeit von Plugin-Ökosystemen noch die fehlende gestalterische Systematik.

Stattdessen entschieden wir uns für ein Experiment: Eine Unternehmenswebsite von Grund auf KI-gestützt entwickeln. Nicht nur einzelne Texte per KI generieren, sondern den gesamten Prozess – Struktur, Navigation, Messaging, visuelle Leitideen, Code – systematisch mit KI aufbauen.

Die eigene Rolle veränderte sich dabei fundamental. Statt manuellem Layout-Basteln und Plugin-Feinjustierungen trat ein neuer Arbeitsmodus: Briefen, evaluieren, verfeinern. Vom Ausführenden zum Steuernden.


13 Mockups in einer Stunde

Der Einstieg war bewusst visuell. Anstatt direkt einzelne Seiten auszuformulieren, liessen wir zunächst vollständige Design-Mockups generieren.

Innerhalb einer Stunde entstanden 13 unterschiedliche Varianten – jede mit eigenem Ansatz für Layout, Navigation, Hero-Section und Typografie. Manche setzten auf grossflächige Bildwelten, andere auf typografische Klarheit. Einige betonten die Beratungskompetenz visuell, andere priorisierten die Dienstleistungsübersicht.

In einem klassischen Designprozess hätte allein diese Explorationsphase Tage oder Wochen beansprucht. Mit KI wurde sie zu einer konzentrierten Auswahlentscheidung.

Aus den 13 Varianten wählten wir einen Favoriten – nicht rein ästhetisch, sondern strategisch: Welches Mockup transportiert unseren professionellen Anspruch am klarsten? Mit dieser Entscheidung war das Designgrundgerüst gesetzt. Ab hier wurde nicht mehr «designt», sondern konsequent entlang des gewählten Mockups weiterentwickelt.

Das löste eines der grössten Probleme des früheren Vorgehens: Statt fragmentarischer Einzelentscheidungen gab es von Anfang an eine durchgängige Designlogik.


Von Mockup zu Code

Die Umsetzung erfolgte mit Claude Code – einem KI-Coding-Assistenten, der die Website nicht in einem klassischen CMS aufbaute, sondern als strukturierten Code generierte.

Das Vorgehen war iterativ. Für jede Seite der gleiche Rhythmus:

  1. Seitenstruktur durch KI vorschlagen lassen
  2. Inhalte KI-gestützt ausarbeiten und sprachlich schärfen
  3. Design-Elemente entlang des Mockups adaptieren
  4. Evaluieren, Feedback geben, verfeinern – nächste Seite

Durch das initial gewählte Mockup waren visuelle und inhaltliche Leitplanken bereits gesetzt. Das reduzierte spätere Designentscheidungen erheblich. Statt jede Seite neu zu erfinden, bauten wir auf einem definierten Framework auf und führten es konsequent fort.

Der Unterschied zum früheren Vorgehen war spürbar: weniger Reibung, schnellere Entscheidungen, durchgängigere Ergebnisse. Was sich früher über Wochen zog – Struktur, Text, Layout, Feinschliff – entstand nun in einem Bruchteil der Zeit.


Der Tech-Stack: Schlank statt schwerfällig

Die neue Website basiert auf einer statischen Architektur mit Astro als Framework, gehostet auf Cloudflare Pages und versioniert über GitHub.

Kein CMS, keine Datenbank, keine Plugin-Updates. Das bedeutet weniger Angriffsfläche und weniger Wartungsaufwand – aber auch einen bewussten Trade-off: Jede inhaltliche Änderung erfordert eine Code-Anpassung und ein neues Deployment. Es gibt kein Backend, in das man sich einloggt und per Klick Inhalte ergänzt. Einen neuen Insight zu veröffentlichen bedeutet konkret: Datei erstellen, committen, Deployment abwarten.

Im Gegenzug entfallen die früheren Hosting-Kosten, die Elementor-Lizenz und die laufende Plugin-Wartung. Die monatlichen Fixkosten sanken um rund 30 CHF. Nicht viel – aber zusammen mit der professionelleren Aussenwirkung und der deutlich reduzierten Sicherheitsangriffsfläche eine klare Verbesserung.

Ergänzt wird das Setup durch Cloudflare Workers für serverlose Funktionen wie die Newsletter-Anmeldung und Google Analytics für die Auswertung des Nutzerverhaltens.


Was wir daraus gelernt haben

Rückblickend war dieses Projekt weniger ein Relaunch als ein Perspektivenwechsel in der Art, wie wir digitale Lösungen angehen.

KI ersetzt keine strategische Klarheit. Wer nicht weiss, was die eigene Website vermitteln soll, bekommt durch KI keine bessere Antwort. Aber wer eine klare Vorstellung hat, kann diese mit KI deutlich schneller und konsistenter umsetzen.

Die grösste Zeitersparnis lag beim Design. 13 Mockups in einer Stunde – das verändert, wie man über Gestaltung nachdenkt. Die Frage verschiebt sich von «Wie baue ich das?» zu «Welche Variante passt am besten?». Weniger Konstruktion, mehr Auswahl.

Der Trade-off mit dem statischen Setup ist real. Kein CMS bedeutet mehr Kontrolle, aber auch mehr technische Nähe bei jeder Änderung. Das ist bewusst gewählt – aber nicht für jedes Team das Richtige.

Die Rolle verändert sich grundlegend. Man hört auf, jedes Detail selbst umzusetzen, und fängt an, Ergebnisse zu steuern und zu bewerten. Das erfordert ein anderes Skillset als klassische Webentwicklung – weniger Handwerk, mehr Urteilsvermögen.

Die zentrale Erkenntnis: KI ist kein Ersatz für Professionalität. Aber sie ist ein Hebel, um Professionalität effizienter sichtbar zu machen – wenn man bereit ist, den eigenen Arbeitsprozess grundlegend zu verändern.

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